Rhein-Marne-Kanal zwischen Hesse und Strasbourg
Seit Jahren hatten wir eine Hausbootfahrt geplant. 2003 wurde der Plan umgesetzt und Preise und Strecken verglichen. Entschieden haben wir uns für den Rhein- Marne Kanal von Hesse nach Strasbourg. Vorab bekam ich den bestellten Kanalführer und das Kapitänshandbuch zugesandt. So haben sich Marco und ich mit den Navigationszeichen und Signalen vertraut gemacht. Nach einer Übernachtung in Rastatt ging es Ende August weiter zur Charterbasis nach Hesse. Unser Boot haben wir gleich erkannt, mussten aber noch warten da Mittagpause war. Gelacht haben wir über zwei Dänische Familien die als erstes die Flagge hissten. Pünktlich machte das Büro auf und ich bekam das Kapitänspatent und klärte das Organisatorische. Das Auto kann auf dem Parkplatz stehen oder gegen ein Aufpreis in einer Halle. Das Gepäck war schnell ausgeladen und Marco und ich bekamen eine Bootseinweisung. Praktisch wurde im Hafen eine Runde gedreht. Das reichte auch. Unser Plan ging auf das Boot so zeitig wie möglich zu bekommen um noch eine Stecke zu schaffen da die Schleusen um 19:30 und das Habewerk 18:30 schließt. Gegen14 Uhr ging es Vollgas talwärts Richtung Strasbourg. Marco und ich hatten unseren spaß, Regine musste sehen wie sie das Gepäck verstaut. Die ersten spannenden Wasserbautechnischen Anlagen sind zwei Tunnel (475m, 2306m) und natürlich das Schiffshebewerk von Arzviller. Wenn am 2.Tunnel Rot (nur eine Richtung befahrbar) ist legt man unmittelbar talwärts backbordseitig an (siehe Bild) damit man in der Videoüberwachung gesehen wird. Bei Rot- Grün geht man in Vorbereitung (Licht nicht vergessen) und Grün dann die Einfahrt. Angewiesen sind 4 Km/h aber wenn man keinen Verfolger hat macht es schneller mehr spaß. Nach dem langen Tunnel passiert man den Abzweig der alten Schleusenstrecke (17 Stück) und ist bald am Hebewerk angekommen. Dort legt man rechts an und wartet auf Einfahrt. Auch bei Rot wird man manchmal noch mit in den Trog gewunken. Jetzt kann man ca. 15min die Aussicht genießen wenn man die 44 Höhenmeter überwindet. Unten angekommen passierten wir unsere erste Schleuse was wir 3 gut meisterten. Noch zwei weitere bis zu unserem ersten Liegeplatz Lutzelbourg.(Bild oben) Beim Festmachen hilft man sich und kommt so gleich ins Gespräch. Im Kanalführer sind die Anlegestellen verzeichnet. Man kann aber auch auf offener Strecke mittels überdimensionaler Heringe festmachen. Zum Abendbrot gingen wir in das Restaurant „Des Vosges“ wo man für viel Geld sehr gut wenig isst und trinkt. Das Ambiente entschädigt aber wenn man zum Sonnenuntergang auf der Terrasse sitzt und bei heimischen Wein inmitten der Berge auf den Kanal schaut. Am nächsten Morgen ging es bei Sonnenschein weiter. Wenn man der erste an der Schleuse ist, muss man anrufen. Ein Telefon befindet sich an jeder Schleuse. Der Grund ist, da wir uns in einer Schleusenkette befinden und mittendrin die Fahrt unterbrochen haben. Somit gibt es keine Leine oder Sensor als Schalter. Am Telefon wird gut deutsch gesprochen. Man sagt die Schleusennummer und Richtung tal- oder bergwärts. Dann passiert man bis zum Ende der Kette die Schleusen. Es macht kein sinn schnell zu fahren, man wartet dann nur vor der nächsten. Mittags haben wir Saverne erreicht mit unserer tiefsten Schleuse. Wir machen am Hafen fest, Regine macht was zu essen und ich ging die Gegend erkunden da wir auf der Rückfahrt hier übernachten wollten. Weiter ging es an dem Tag noch bis Hochfelden. Dort gibt es eine Kneipe die nur Bier hat. Am nächsten Tag fuhren wir mit unserm Schweizer Begleiter mit dem wir den gestrigen halben Tag geschleust haben weiter. Er kam mit seinem Segelboot von einem Ostseetörn und war auf dem Weg nach Basel. Nachmittag erreichten wir Strassburg. Als erstes das Europaparlament dann die Rheinschleuse. Hier ist alles viel größer als auf dem Kanal. Eine Schleuse noch bis zum Liegeplatz „Bassin de I’Hopital“. Marco parkte ohne sich zu versteuern rückwärts ein. Man sollte nicht zu spät ankommen damit man noch einen der begehrten Plätze mitten in der City bekommt. Liegegebühr für eine Nacht 10 Euro. Man bekommt ein Zahlencode um in das eingezäunte Gelände zu kommen. Für größere Einkäufe steht ein Handwagen zu Verfügung.Marco und Regine zogen aber ohne Wagen los. Ich habe den Abend auf dem Stadtplan vorgeplant. Los ging es abends zu Petite France ein Stadtteil mit engen Gassen, Fachwerkhäusern und Kanälen. Dort pulsiert das Leben. Es macht spaß in einer Sommernacht mittendrin zu sein. Nach dem Essen und Trinken auf einer Trasse am Kanal ging es weiter Richtung Münster. Dort findet 22 Uhr eine Licht- Musikshow statt. Dies hatte ich als Insider Tipp bekommen. Wenn man rechtzeitig kommt sind noch Plätze der Cafes frei. Bei einem guten Wein haben wir dann die Show erlebt. Am nächsten Tag ging es zurück. Das bergwärts schleusen ist eine neue Erfahrung. Talwärts hatten wir das Boot nur am Heck festgemacht. Nun wo das Wasser von vorn kommt ist mehr zu tun. Man fährt in die tiefe Schleuse ein, klettert die Leiter hoch und muss beide Leinen von Bug und Heck um die Poller legen. Unser 4. Station ist Waltenheim. Nach einem Rundgang durch das Dorf kehren wir in den Anker „A l’Ancre“ ein und speisen und trinken ausgezeichnet. Weiter ging es bei Regen nach Saverne. Für ein Liegeplatz bezahlt man 5 Euro beim Hafenmeister. Ein Stadtgang mit Kaffeetrinken ist bei der riesigen Auswahl an Kuchen zu empfehlen. Die nächste Station ist Lutzelbourg . Wir machten diesmal am anderen Ende des Ortes fest. Da wir viel Zeit hatten, wanderten wir zum Chateau was eine Ruine oberhalb des Ortes ist. Am letzten Tag passierten wir das Hebewerk, die Tunnel und machten in Niderviller fest um in die 3 Km entfernte Gaststätte „Auberge Altenburger“ zu gehen. Abends fuhren wir fast im Dunkeln noch die 5 Km bis Hesse zu unserer Basis. Morgens gaben wir das Boot geputzt ab und begaben uns auf die Heimfahrt.
Verweisen möchte ich auf sehr schöne Kanalführer für den Elsass und Lothringen auf